Schule aktuell

Ö1 macht Schule: Aktuelle Radiosendungen für den Unterricht

Das Kulturradio Ö1 bringt mit „Ö1 macht Schule“ qualitätsvolle Nachrichten in den Unterricht. Philipp Freiler von der PH Wien erklärt, wie er Sendungen pädagogisch aufbereitet und warum ihre Inhalte demokratiepolitisch wichtig sind.

Florian Wörgötter - 24. März 2022

Hölzel Journal | Ö1 macht Schule | Philipp Freiler © Ö1

Philipp Freiler unterrichtet Physik und Mathematik an einer BAfEP in Wien. Der Lehrer hatte schon immer ein offenes Ohr für das Bildungsprogramm des öffentlich-rechtlichen Radiosenders Ö1. Seit sechs Jahren bereitet er im Rahmen von Ö1 macht Schule wöchentlich jugendgerechte Radiosendungen für den Unterricht auf. Für ihn hat das Projekt einen demokratiepolitischen Auftrag.

Herr Freiler, „Ö1 macht Schule“ bietet Lehrenden kostenlose Ö1-Radiosendungen mit begleitendem Unterrichtsmaterial. Welche Idee steckt dahinter?

Philipp Freiler: Die Idee von „Ö1 macht Schule“ ist einerseits, jugendgerechte Qualitätsinformation in die Schule zu bringen – und vor allem: diese auch dauerhaft verfügbar zu machen. Denn laut Rundfunkgesetz dürfen die öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiosender (ORF, Ö1, Ö2, Ö3 und FM4) ihre Sendungen nicht länger als sieben Tage online stellen. Eine Ausnahme für eine längerfristige Online-Verfügbarkeit gilt, wenn die Inhalte für den Unterricht aufbereitet werden.

„Ein Problem der heutigen Zeit ist, dass Schüler/innen verlässliche Quellen erst kennenlernen müssen.“

Andererseits lautet unser Ziel, mit einem didaktischen Vorschlag vielfältige E-Learning-Tools unter der Lehrer/innenschaft zu verbreiten. Wir wollen die Möglichkeiten von Online-Quiz, Videos, Whiteboards oder des Einsatzes von Emojis aufzeigen. Im Homeschooling hat sich „Ö1 macht Schule“ sehr bewährt, weil Schüler/innen über das Internet individualisiert und interaktiv bestimmte Aktivitäten machen konnten.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen Radio Ö1 und der Pädagogischen Hochschule Wien. Was ist Ihre Aufgabe als Lehrer?

Gemeinsam mit zwei Lehrerinnen teile ich mir wöchentlich acht Arbeitsstunden, in denen wir diverse Ö1-Sendungen pädagogisch aufbereiten. Ich höre Radio Ö1 die ganze Zeit mit dem Fokus, welche Beiträge für die Schule interessant sein könnten. Meistens melden wir uns beim Sender, wenn wir eine für Jugendliche geeignete Sendung finden.

Doch auch Ö1 macht uns immer wieder auf Sendungen aufmerksam und stellt sie uns unkompliziert und rasch zur Verfügung. Dann recherchieren wir zu jedem Radiobeitrag möglichst vielfältige E-Learning-Aktivitäten, die größtenteils auch ohne Registrierung funktionieren sollen. Bezahlt werden wir von der PH Wien.

Sie begleiten die Sendungen auch mit spielerischen Online-Tools wie einem Kreuzworträtsel oder einem Online-Piano.

Das Online-Piano setze ich persönlich gerne im Physikunterricht ein. Dazu hören wir eine Sendung über Mathematik und Musik. Konkret geht’s um Pythagoras, harmonische Tonverhältnisse und wie man sie als harmonische Intervalle interpretieren kann. Das kann man mit einem Klavier schön zeigen.

Verfolgen Sie mit dem Unterrichtsmaterial ein pädagogisches Konzept?

Wir nutzen keine bestimmte theoretische Grundlage, sondern orientieren uns an den Rückmeldungen der Schulen, was in der Unterrichtspraxis gut funktioniert. Seit Jahren kommt immer wieder die Methode des Flipped Classroom zum Einsatz: Die Kinder hören die Sendung schon daheim, und im Unterricht erledigen sie dann die Aktivitäten.

„Lehrende können sich bei uns auch Sendungen für ihren Unterricht wünschen.“

Lehrende können sich bei uns auch Sendungen für ihren Unterricht wünschen. Wenn sie eine bestimmte Sendung auf Ö1 gehört haben, dürfen sie uns gerne kontaktieren. Wir fordern sie beim Sender an, bereiten sie didaktisch auf, dann steht sie innerhalb weniger Tage online.

Ö1 ist bekannt für sein hochintellektuelles Niveau. Wie sichern Sie, dass die Radiosendungen das Niveau der Sekundarstufe I nicht überfordern?

Es gibt ja einige Ö1-Sendungen, die für Schüler/innen der Volksschule und der Sekundarstufe I gemacht werden. Zum Beispiel bespricht Rudi! Der rasende Radiohund montags bis donnerstags Themen, die Kinder und Jugendliche ansprechen.

Jeden Donnerstag laufen die Ö1 Kindernachrichten, die wir fast jede Woche für die Schule aufbereiten. Diese kommen seit dem Ukraine-Krieg besonders gut an und eignen sich sowohl für Volksschule als auch Unterstufe. Doch was für die Unterstufe gut ist, ist meiner Erfahrung nach auch für die Oberstufe nicht schlecht.

Und in der Ö1 Kinderuni befragen Kinderreporter/innen diverse Fachleute zu bestimmten Themen. Diese für Kinder und Jugendliche aufbereiteten Sendungen verwenden wir sehr oft. Die anderen Sendungen eignen sich eher für das Anspruchsniveau der Sekundarstufe II.

Welche Radiobeiträge samt Unterrichtsmaterialen empfehlen Sie für die Sekundarstufe I?

Aus der Ö1 Kinderuni empfehle ich den Beitrag Was steckt im Handy?. Das Smartphone wird unter ökologischen Gesichtspunkten analysiert und welche seiner Bestandteile wiederverwertbar sind.

Die Sendung Was beim Lernen im Kopf passiert erklärt, wann man sich am besten Dinge merkt und wie unser Gehirn funktioniert. Ebenfalls interessant sind die Sendungen Wie entschlüsselt man Hieroglyphen? oder Wie lebten Ritterkinder?. Und natürlich: die Ö1 Kindernachrichten.

Die Ö1 Kindernachrichten sind auch Teil des Kurzformats „Ö1 macht Schule Zwischendurch„. Worum geht’s dabei?

Ö1 macht Schule Zwischendurch ist ein eigenes Format, in dem wir kurze Sendungen oder Sendungsteile eigens für den Unterricht aufbereiten. Darunter finden sich aktuelle Beiträge aus den Ö1 Journalen, des Technologiemagazins Digital Leben oder den Ö1 Kindernachrichten. Die Beiträge dauern nie länger als fünf Minuten.

„Beim Beispiel Ukraine-Krieg wollen wir nicht nur Fakten über die NATO oder die geografische Lage der Ukraine wissen, sondern auch, wie es den Kindern mit diesem Krieg geht.“

Danach spielen die Kinder ein Kahoot-Quiz, das einerseits Wissen abfragt, aber auch Stimmungen und Meinungen erhebt. Beim Beispiel Ukraine-Krieg wollen wir nicht nur Fakten über die NATO oder die geografische Lage der Ukraine wissen, sondern auch, wie es den Kindern mit diesem Krieg geht. Sie können Stellung beziehen oder vorgefertigte Antworten anklicken, sodass Lehrende ein Stimmungsbild in der Klasse ermitteln. „Ö1 macht Schule Zwischendurch“ wird von uns jede Woche laufend aktualisiert.

Welche Radiobeiträge empfehlen Sie für die Sekundarstufe II?

Aus dem Format „Ö1 macht Schule Zwischendurch“ ist empfehlenswert: Der Ethik-Beitrag Schweineherz für ein Menschenleben behandelt das Thema „Xenotransplantation“ und fragt, ob es gerechtfertigt ist, ein Tierleben zu opfern, um ein Menschenleben zu retten. Beim Kahoot-Quiz muss man auch ethisch Stellung nehmen.

Sehr aktuell sind natürlich die Nachrichten zum Ukraine-Krieg aus dem Mittags- oder Abendjournal. Auch die News in englischer Sprache kann ich sehr empfehlen. Sehr beliebt ist auch der Beitrag Ein Jahr Kapitol-Erstürmung.

Das „Kerngeschäft“ von „Ö1 macht Schule“ sind aber größere Aktivitäten, die ein oder zwei Schulstunden dauern. Sehr empfehlenswert ist ein topaktuelles Journal Panorama zu Verschwörungstheorien. Ebenso der Ö1 Podcast Die Geschichte Österreichs in 29 Kapiteln. Zu jedem der 10- bis 15-minütigen Kapitel gibt es ein Kahoot-Quiz.

Welche Radiobeiträge empfehlen Sie für Geografie- und Wirtschaftskunde?

Der Digital-Leben-Beitrag Zeitreisen mit Google Earth ist ideal für den Geografie-Unterricht. Als Aktivität bieten wir an, dass man sich Satellitenbilder aus der Vergangenheit anschaut und sie sich in Google Earth in einer Zeitreihe anzeigen lässt.

Ebenso lehrreich ist der Beitrag Trinkwasser in Österreich. Im Bereich Wirtschaftskunde empfehle ich die Sendung Junge Unternehmer, die einen erfolgreichen 14-jährigen Start-up-Gründer aus Österreich vorstellt.

Soeben ist das „Ö1 Dossier: Nachhaltig leben“ im Rahmen von „Ö1 macht Schule“ veröffentlicht worden. Diverse Sendungen mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit werden dauerhaft zum Nachhören verfügbar gemacht. Was planen Sie für den Unterricht?

Insgesamt sind bereits 60 Radiobeiträge rund um die Themen Ökologie, Wirtschaft und Soziales online. In den nächsten Wochen werden wir auch pädagogische Aktivitäten für die Schulen ergänzen.

Wie oft publizieren Sie neue Beiträge samt Unterrichtsmaterial?

Für „Ö1 macht Schule Zwischendurch“ versuche ich, zwei bis drei Beiträge die Woche zu veröffentlichen. Die großen Geschichten mit einer Bearbeitungszeit von ein bis zwei Unterrichtseinheiten erscheinen etwa ein- bis zweimal im Monat.

Zusammenfassend: Warum sollten Lehrende „Ö1 macht Schule“ im Unterricht verwenden? Was lernen die Schüler/innen dabei?

Ein Problem der heutigen Zeit ist, dass Schüler/innen verlässliche Quellen erst kennenlernen müssen. Daher erfüllt „Ö1 macht Schule“ für mich einen demokratiepolitisch bedeutenden Auftrag. Ich halte es auch für wichtig, dass E-Learning-Tools sinnvoll eingesetzt werden, daher geben wir einen Überblick, was mit ihnen im Unterricht alles möglich ist.

„Schüler/innen erhalten gehaltvolle Informationen und setzen sich mit einem aktuellen Thema auseinander.“

Der dritte Grund: Wenn ich mit „Ö1 macht Schule Zwischendurch“ die Stunde eröffne oder in Supplierstunden gleich mehrere Sendungen mit Quiz vorspiele, erhalten die Schüler/innen gehaltvolle Informationen, setzen sich mit einem aktuellen Thema auseinander und machen dieses Quiz gerne. Außerdem motiviert es sie, sich mit schwierigen Inhalten auseinanderzusetzen.

 

Das volle Angebot von Ö1 macht Schule finden Sie hier.

 

Mehr zum Thema „Schule aktuell“: 

„Feldstudie“: Die Traktoren an der HTL Ried fahren sich wie von selbst
Flexi-Klassen: Gemeinsam lernt jede/r so schnell sie/er kann
Was die Stiftung für Wirtschaftsbildung für Schulen alles plant
TGM meets WOMENinICT: Wie mehr Mädchen ihren Weg in die IT finden sollen
Der Finanzbildungspreis KARDEA! sucht Ideen zum Umgang mit Geld
Learning Circle: Zahle, was du kannst für die Online-Nachhilfe
Zentrum polis: Aktuelles Unterrichtsmaterial zur Impfpflicht gegen COVID-19
Christiane Druml: „Lehrende sollen beim Impfen Wissenschaft vertreten“
MUMOK: Online-Workshops zu Kunst und Programmiersprache
OeAD-Diskussion: Wie gelingt zielgruppengerechte Sprache?
Stadt Wien: Erforschen Sie die Geschichte der Wiener Schulen
Kultur:Bildung: Online-Kurse zu Kunst und digitalen Medien
Extremismusprävention: 3.000 Workshops sollen Schüler/innen aufklären
Wettbewerb: „Unsere Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun“
Raus in die Grüne Klasse: In Seitenstetten wird im Freien unterrichtet
Videowettbewerb: Wie sehen Schüler/innen die Mobilität der Zukunft?
Das BMBWF hat erstmals den Staatspreis Innovative Schulen vergeben
Technisches Museum Wien: Lehrmaterial, Workshops und Führungen für Schulen
Neuer Schwerpunkt: Orientierung in Schule, Beruf und der Welt
„Wir entwickeln Schule“: So klappt die Förderung von Schulprojekten
Citizen Science Award: Wie Schulklassen das Forschen lernen
Fluchtpunkte: So lernt man den Nahostkonflikt im Unterricht verstehen
Studium mit Zukunft: Erneuerbare Energien aktiv gestalten
DemokratieWEBstatt: Politik zum Ausprobieren für Schulen
Wie prügeln sich Politiker/innen? Das Magazin Katapult antwortet in Karten
Fritz Plasser über die Ära Trump: „Durch die Bank ein Regelverstoß“
Was Lehrkräfte von HipHop über die Gesellschaft lernen
Peter Filzmaier: Einen Wahlkampf im Unterricht analysieren
Leo Hemetsberger: „Im Internet gibt es keine Privatsphäre“
Die Allianz Bildungsmedien Österreich will die digitale Schule mitgestalten
Kartographie als Berufung: Zum Gedenken an Moshe Brawer
ÖH-Vorsitzende Sabine Hanger: „Die UG-Novelle ist kein Weihnachtsgeschenk“
Literaturtipp: Die Geschichte der Berufsbildung in Österreich
HTLs in Kärnten: Wie smart ist eine Smart Learning Klasse?
Anton Bucher zum Ethikunterricht: „Nicht ethisch sein geht nicht“
Business Intelligence: Goldwaschen in der Informationsflut
VfGH-Präsident Grabenwarter über „Verfassung macht Schule“
Tinkering: Tüfteln zwischen Technik, Physik und Kunst
More Than Bytes: Kunst, Kultur und digitale Medien im Unterricht
Interview mit Kabarett-Lehrer Andreas Ferner