Schwerpunkt: Orientierung

Krieg in der Ukraine: Karten, Quellen und Unterrichtsmaterial

Russlands Angriff auf die Ukraine bringt den Krieg zurück nach Europa. Damit Lehrkräfte den Krieg in der Ukraine unterrichten können, empfehlen wir Karten, Infoquellen und Unterrichtsmaterialien zu Geschichte und Gegenwart.

Hölzel Journal-Redaktion - 3. März 2022

Hoelzel Journal | Krieg in der Ukraine © Katapult

Wenn Sie Ihren Schüler/innen Putins Krieg gegen die Ukraine erklären wollen, tun sie es mit unseren historischen und aktuellen Karten. Welche Infoquellen und Unterrichtsmaterialien den Konflikt noch erklären, erfahren Sie hier.

Und plötzlich herrscht Krieg in der Ukraine, seitdem Vladimir Putin seine russische Armee Richtung Kiew schickte.

Als Bildungsmagazin wollen wir einen kleinen Beitrag leisten, um Lehrkräfte bei ihren Bemühungen um einen aktualitätsbezogenen Unterricht zu unterstützen. Dafür haben wir die folgende Auflistung von Kartenmaterial, Informationsquellen und Unterrichtsmaterialien zusammengestellt.

Zu Beginn wollen wir Ihnen anhand von historischen Karten aus dem Hölzel Verlag zeigen, wie sich die Ukraine geografisch entwickelt hat.

Karte Russland aus Geographischer Schul-Atlas für die Gymnasien, Real- und Handelsschulen der österreichischen Monarchie von Blasius Kozenn. Ed. Hölzel, Wien, 1861. Karte Nr. 22.

1861 erschien im Hölzel Verlag der erste Schulatlas, herausgegeben von Blasius Kozenn. Die damalige Karte von Russland zeigt im Wesentlichen den europäischen Teil des Russischen Zarenreiches. Betrachtet man den Raum der heutigen Ukraine, erkennt man eine Vielfalt an politischen Einteilungen und Benennungen, die vom jetzigen Sprachgebrauch abweichen. Als „Ukraine“ wird nur ein relativ kleines Gebiet südlich von Kiew bezeichnet, wobei dieser Begriff noch mit der Bezeichnung „Klein-Russland“ konkurriert. Der südliche Teil der heutigen Ukraine wurde 1861 im Atlas als „Süd-Russland“ bezeichnet.

Interessant ist die Nennung der „Donischen Kosaken“ (benannt nach dem Fluss Don) und der „Tschernomor Kosaken“ (benannt nach dem Schwarzen Meer). Die Kosaken wurden ab dem 15. Jahrhundert als Wehrbauern angesiedelt und waren bis ins 19. Jahrhundert ein bedeutender Teil des russischen Heeres. In der Sowjetunion wurden sie verfolgt und teilweise auch umgesiedelt.

Karte Europa – Politische Übersicht aus Kozenn-Atlas, bearbeitet von Franz Heiderich. Ed. Hölzel, Wien, 1922. Karte S. 33.

Der Erste Weltkrieg hat die Landkarte Europas grundlegend verändert. Die spätere Sowjetunion (gegründet Ende 1922) wurde als „Großrußland“ bezeichnet (mit scharfem ß trotz Großschreibung). Noch war nicht klar, wie der Bürgerkrieg zwischen den bolschewistischen „Roten“ und den gegenrevolutionären „Weißen“ ausgehen würde.

Die Ukraine, 1922 in die Sowjetunion integriert, erscheint als unabhängiger Staat, der sich aufgrund des Zerfalls des Zarenreiches 1917/1918 gebildet hatte. Im Osten und Süden entsprachen die Grenzen der Ukraine inklusive Halbinsel Krim und Donbass den heutigen.

Im Nordwesten kamen nach dem Zweiten Weltkrieg Wolhynien und im Westen aus der Zerfallsmasse des einstigen Habsburgerreiches Galizien mit Lemberg (heute Lwiw) dazu, die in der Zwischenkriegszeit – wie die Karte zeigt – großteils zu Polen gehört hatten.

Hier finden Sie noch zwei weitere PDFs aus den Geschichtsbüchern des Hölzel-Verlages mit Arbeitsaufträgen zur Entstehung der Sowjetunion für die achte Schulstufe und für die Oberstufe (AHS/BHS).

Vor dem Krieg von Russland besetzte oder kontrollierte Gebiete der Ukraine. © Hölzel Verlag

Eine aktuelle Karte aus dem Hölzel Verlag zeigt, welche Gebiete in der Ostukraine von Russland vor dem Krieg besetzt oder kontrolliert wurden. Die militärischen Zahlen zu aktiven Soldaten, Militärausgaben und Atomsprengköpfen stellen in Relation, wie ungleich dieser Kampf zwischen Russland und der Ukraine geführt wird.

Unterrichtsmaterial zum Krieg in der Ukraine

Die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung wies bereits 2019 auf den vergessenen Krieg im Osten Europas hin und erklärte die Kriegssituation in der Ostukraine mit mehr als 10.000 Toten. Insbesondere wird in diesem Beitrag auf die Abspaltung der ukrainisch-orthodoxen Kirche von der russisch-orthodoxen Kirche und die Spannungen um die Meerenge von Kertsch eingegangen. Somit werden auch wirtschaftliche und religiöse Zusammenhänge deutlicher.

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg stellt die Ursachen, Hintergründe und Folgen der aktuellen Kriegssituation in der Ukraine dar. Zudem geht dieser Beitrag auf die Konsequenzen für die europäische Sicherheitspolitik ein und lässt zahlreiche Expertinnen und Experten für internationalen Beziehungen zu Wort kommen. Das dazugehörige Unterrichtsmaterial geht speziell auf die hybride Kriegsführung Russlands in der Ukraine und die Reaktionen des Westens ein. Die Karikaturen und Infografiken machen das Thema leichter verständlich.

Der Verlag Bergmoser + Höller (Deutschland) erstellt zu verschiedensten Themen Unterrichtsmaterial. Zur Lage in der Ukraine gibt es einige Infografiken für die Sekundarstufe I und II, die insbesondere die schwierige Situation der Ukraine zwischen der Europäischen Union und Russland darstellen, auf Zusammenhänge mit der Energieversorgung westeuropäischer Staaten eingehen und die Osterweiterung der NATO beleuchten.

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg publizierte 2015 Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe I, das den Konflikt in der Ukraine analysiert. Das Unterrichtskonzept mit einem Artikel des Magazins Gesellschaft – Wirtschaft – Politik (GWP), Arbeitsblättern und Erfahrungsberichten stellt den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine bis zum Jahr 2015 ausführlich dar.

Die Initiative friedensbildung-schule.de erstellte 2014 Unterrichtsmaterial, das die Beziehung zwischen Russland und der Europäischen Union näher beleuchtet und im Zusammenhang mit der Annäherung der Ukraine an die EU interessant sein kann. Erstellt wurden die Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe II in Politische Bildung und Geschichte.

Infoquellen und Medienberichte

Das deutsche Informations-Portal zur politischen Bildung bietet eine Übersicht zum Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und dem Westen an. Eine chronologische Darstellung der Geschehnisse seit dem Sieg des Volksaufstands „Euromaidan“ (2013/2014) und der darauffolgenden Annexion der Krim unterstützt beim Verständnis der Situation. Sowohl die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine als auch zwischen Russland und den NATO-Staaten werden beleuchtet.

Der deutsche Auslandsrundfunk Deutsche Welle beleuchtet die Vorgeschichte der aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine. Eine Vorgeschichte, die bereits im Mittelalter beginnt. Der Beitrag beschreibt die Auflösung der Sowjetunion, die ersten Risse in der ukrainisch-russischen Freundschaft mit dem Brückenbau zur Insel Kossa Tusla und die Lieferstopps von russischem Erdgas. Auf die Annexion der Krim wird genauso eingegangen wie auf den Stellungskrieg im Donbass.

Die Kindernews des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sind wahrscheinlich besonders für jüngere Schüler/innen in Vorarlberg geeignet. Der aktuelle Beitrag enthält ein Video, das am 19. Februar kurz vor der Kriegserklärung veröffentlicht wurde. Zur Bearbeitung des Videos gibt es ein Quiz sowie ein Arbeitsblatt. Für den 3. März planen die Kindernews des SRF, einen weiteren Beitrag zu veröffentlichen. Der Konflikt zwischen den Nachbarstaaten wird genauso erklärt wie die Zusammenhänge mit dem Militärbündnis NATO.

Das deutsche Magazin Katapult setzt sich nicht mit der Geschichte des Konflikts auseinander, sondern bietet einen Live-Blog zur aktuellen Lage inklusive Links zu Panzerlahmlegung, Stadtverteidigung, Politiker-Tweets und Infografiken zu aktuellen Meinungen.

Besonders spannend ist natürlich auch das Lesen und die Analyse von Putins Rede, die wir auf Deutsch übersetzt im deutschen Tagesspiegel gefunden haben: Putins Kriegserklärung gegen die Ukraine im Wortlaut, 24.02.2022. Hier ein paar Anregungen für Recherche- und Diskussionsfragen zur Rede Putins zum Download.

Faktenchecks und Medienbildung

Und ganz allgemein in der Medienbildung: Auf Twitter haben wir einen interessanten Leitfaden entdeckt, den Prof. Dr. Thomas Merz von der Pädagogischen Hochschule Thurgau erstellt hat. Der Leitfaden kann Lehrkräften dabei helfen, belastende Bilder und Nachrichten von tragischen Ereignissen in der Schule zu thematisieren.

Wie Sie bereits wissen, kursiert im Internet mehr als die „Wahrheit“. Immer wieder haben wir über Organisationen wie mimikama.at berichtet, die im Internet transparent Fakten checken oder uns von Digital-Expertin Ingrid Brodnig empfehlen lassen, welche Organisationen seriös in ihrer Berichterstattung arbeiten. Auch in der aktuellen Lage sehr empfehlenswert.

 

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