Studium und Beruf

Berufspraktische Tage: Wenn ein Schüler sein Schulbuch besucht

Der AHS-Schüler Mateo Josic hat seine berufspraktischen Tage im Hölzel Verlag verbracht. Im Gespräch verrät der 13-Jährige, was er über Schulbücher gelernt hat, warum Lehrer sein Traumjob ist und wie er einmal die Schule verändern würde.

Florian Wörgötter - 17. Februar 2022

Hoelzel | Bildungsmagazin Was jetzt | Berufspraktische Tage Mateo Josic | © Thomas Rott/Hölzel Verlag

Fotos recherchieren, Fehler finden, Bücher einpacken – der Schüler Mateo Josic hat im Rahmen seiner Berufspraktischen Tage im Hölzel Verlag Hand angelegt. Was der zukünftige Volksschullehrer alles über seine Schulbücher gelernt hat, lesen Sie hier.

Im Rahmen der berufspraktischen Tage haben Schüler/innen die Chance, sich interessante Berufsbilder in der Praxis anzusehen. „Meine Lehrerin sagt, das eigentliche Ziel ist es, uns Kindern zu zeigen, dass wir uns nicht zu sehr auf das Schulende freuen sollen“, lacht der 13-jährige Mateo Josic. Der AHS-Schüler aus Simmering hat sich für ein viertägiges Praktikum im Hölzel Verlag entschieden.

Ob ihm mit dabei der Spaß an der Arbeit vergangen ist? „Nein, es war sehr interessant. Doch die Schule ist wirklich etwas leichter – zumindest bis auf die Hausaufgaben“, resümiert Mateo. Neu war für ihn auch, nicht mehr nur unter Gleichaltrigen zu sein.

Berufspraktische Tage im Hölzel Verlag

Was er in den vier Tagen im Hölzel Verlag alles erlebt hat? In der Fotoredaktion durfte er Bilder für ein Geografie-Buch recherchieren. Nun kennt er die verschiedensten Copyrights und weiß, welche Bilder er für Referate und Plakate nutzen darf. Im Bereich Vertrieb durfte er Schulbücher aus dem Lager suchen und verpacken. Am meisten hat ihn aber das wahre Handwerk beschäftigt: wichtige Briefe zu kuvertieren, die unzählige Schulen über die neuen Ethikbücher informieren.

Was ihn am meisten fasziniert hat: „Ich habe gesehen, wie wichtig Teamarbeit ist, wenn viele Leute mit unterschiedlichen Themengebieten gemeinsam an einem Projekt arbeiten.“ Früher dachte Mateo, eine einzige Person übernimmt in einem Buch alles – außer den Druck.

Außerdem hat er gelernt, wie „anstrengend und wichtig“ es ist, dass man bei Büchern präzise arbeitet. Am Beispiel eines unvollständigen Schulbuches konnte er sehen, welche Fehler man machen kann – von fehlenden Fotoquellen über falsch gesetzte Fettmarkierungen bis zu abweichenden Zeilenabständen. „Erst da habe ich erkannt, wie viel Arbeit hinter einem Buch steckt“, sagt Mateo anerkennend.

Hoelzel | Bildungsmagazin Was jetzt | Berufspraktische Tage Mateo Josic | © Thomas Rott/Hölzel Verlag

Mateo Josic studiert den Hölzel-Atlas im Rahmen seiner Berufspraktischen Tage.

Was denkt er heute, wenn er ein Schulbuch in die Hand nimmt? „Ich betrachte meine Schulbücher wie einen kleinen Schatz. Auch weil ich jetzt weiß, wie anstrengend es ist, ein Buch zu bewerben. Ich habe den ganzen Tag gebraucht, bis ich alle Schulbriefe eingepackt habe“. Fehler im Schulbuch hat er übrigens keine mehr gefunden.

Traumjob Volksschullehrer

Nach diesem Schuljahr wechselt Mateo in eine Bildungsanstalt für Elementarpädagogik. Denn im Gegensatz zu den meisten seiner Schulfreunden kennt er seinen Traumjob bereits: Er möchte Volksschullehrer werden. „Ich liebe es, Kinder zu unterhalten und ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern“, erklärt Mateo, der auch eine kleine Schwester im Volksschulalter hat. „Ich möchte einem jungen Genie den ersten Stupser geben und allen beibringen, aus ihren Fehlern zu lernen und die Dinge nicht einfach hinzuschmeißen“.

Mateo weiß um die Verdienste engagierter Pädagogik, denn erst seine Volksschullehrerin hat es geschafft, ihm das verhasste Lesen und Schreiben schmackhaft zu machen. „Dank ihr habe ich gelernt, wie lustig es sein kann, ein Märchen zu erfinden oder ein persönlich erlebtes Abenteuer zu erzählen. Jetzt schreibe ich sehr gerne, erfinde Geschichten und liebe das Lesen“. Wie ihr das gelungen ist: „Sie hat uns jeden Monat ein Buch lesen lassen, dann haben wir ein Referat darüber gehalten. So konnte ich in verschiedene Bücher reinschnuppern. Mit einer Quizz-App haben wir spielerisch gelernt, gerne zu lesen.“

Mateos Schule der Zukunft

Was Mateo als angehender Lehrer an der Schule ändern würde? Stellvertretend für wohl alle Schüler/innen würde er die Hausübungen reduzieren und sinnvoller gestalten. Im Fremdsprachenunterricht sollte man nicht mehr nur Vokabeln abschreiben, sondern stattdessen mit weniger Wörtern auch ganze Sätze bilden.

In seinem Lieblingsfach Mathematik würde er jenen mit Problemen mehr Aufmerksamkeit schenken und die Themen weniger schnell wechseln. Insbesondere Schüler/innen mit Schwierigkeiten in Deutsch könnten sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren. Und den Unterricht von Geografie, Biologie oder Musik würde er vermehrt ins Freie verlegen. Ansonsten macht ihm die Schule auch zwischen Maskenpflicht und Ninjapass noch Spaß.

 

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